
Saku liegt nur wenige Kilometer südlich von Tallinn. Was früher ein Dorf war, ist heute eine wachsende Kleinstadt im Speckgürtel der estnischen Hauptstadt. Die traditionsreiche Saku-Brauerei hat den Ort wachsen lassen. Mittendrin steht die Saku-Toomase-Gemeinde der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Es ist der einzige sichtbare Kirchbau der Stadt und steht prominent an einer gut befahrenen Verkehsinsel.
Die Geschichte der Gemeinde ist spannend. Es ist eine der wenigen wachsenden Gemeinden und eine von lediglich vier Kirchenneubauten nach der erlangten Unabhängigkeit Estlands.
1994 begannen in Saku regelmäßig lutherische Gottesdienste. Gefeiert wurde zunächst im kleinen Bethaus der Brüdergemeinde, das diese irgendwann der lutherischen Gemeinde gegeben hat. Mehr als 25 Jahre blieb dieser unscheinbare Ort das geistliche Zuhause der Gemeinde. 2013 wurde die Saku-Toomase-Gemeinde selbstständig, nachdem ein Konfirmandenkurs den Wunsch äußerte, selbständig in Saku Kirche sein zu wollen. Unterstützt durch einen norwegischen Missionspfarrer entwickelte sie sich zu einer jungen, engagierten Gemeinde. Kinder, Jugendliche und junge Familien prägen ihr Gesicht. Viele Aufgaben werden ehrenamtlich getragen.
Das alte Bethaus wurde bald zu klein. Früh entstand deshalb der Traum von einer eigenen Kirche. Auch das GAW hat diesen Weg begleitet und den Kirchenneubau als Partner aus Deutschland im PK 2016 mit 15.000 € unterstützt. Gemeinsam mit Partnern aus Estland, Finnland, Norwegen und Deutschland wurde das Vorhaben Schritt für Schritt umgesetzt. Etliche bürokratische Hürden mussten überwunden werden. 2019 begann schließlich der Bau.

Heute steht die neue Kirche auf einem Hügel über Saku. Der Neubau ist weit mehr als ein größerer Gottesdienstraum: Er bietet Platz für Kinder- und Jugendarbeit, Diakonie, Begegnung und Veranstaltungen. Am 21. Dezember 2021 wurde die Kirche offiziell geweiht.
Auch die GAW-Frauenarbeit hat die Gemeinde begleitet und unterstützte die Arbeit mit Mädchen. Damit wird ein Schwerpunkt gefördert, der für die junge Gemeinde besonders wichtig ist: Kindern und Jugendlichen einen Raum zu geben, in dem sie Gemeinschaft erleben, Glauben entdecken und Verantwortung übernehmen können.
Die Entwicklung der Gemeinde von Saku ist beeindruckend und bringt neue Herausforderungen. Ende 2025 zählte die Gemeinde 310 Mitglieder. Wie lässt sich eine so gewachsene Gemeinde dauerhaft tragen? Wie können junge Menschen langfristig beheimatet werden? Und wie bleibt eine junge Missionsgemeinde offen für Menschen, die mit Kirche bisher wenig zu tun hatten? Wird die Gemeinde dauerhaft das Gehalt ihres Pastors aufbringen können? Aktuell wird er noch teilweise durch eine norwegische Missionsgesellschaft unterstützt.
Auch der Ukrainekrieg und die in Estland angekommenen Flüchtlinge prägen die Gemeinde. Seit März 2022 sammelt die Gemeinde Lebensmittel, medizinische Hilfsgüter und Geld für Treibstoff für Menschen in der Ukraine. Über Partner gelangen die Hilfen in vom Krieg betroffene Regionen.
Saku hat endlich ein sichtbares Kirchengebäude bekommen. Man wünscht der Gemeinde, dass sie mit ihrem Gebäude anziehend auf andere wirkt – und das in einer der säkularisiertesten Länder Europas. „Die Menschen wissen von den christlichen Kirchen eigentlich nichts. Wir stellen uns den Herausforderungen und wollen unseres dazu beitragen, für Saku und die Stadtgesellschaft Gutes zu tun. Wir knüpfen Netzwerke und kommen so in Kontakt zu Menschen. Es geht alles langsam – so wie eine Saat langsam wächst,“ so Pastor Ariel Süvari.
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