
(Foto: Haaks)
Am 9. Mai trafen sich rund 70 Jugendliche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgistan zu einem Jugendtag außerhalb von Bischkek. Die Jugendlichen kamen aus verschiedenen Gemeinden des Landes – unter anderem aus Bischkek, Tokmok, Karakol, Ananjewo und Winogradnoje. Organisiert wurde das Treffen von Pastor Valentin, der etwa alle drei Monate solche Begegnungstage vorbereitet und auch den Transport der Jugendlichen koordiniert.
Der Veranstaltungsort erzählt selbst viel über das Land. Das große Freizeitzentrum stammt noch aus der Sowjetzeit – wahrscheinlich fanden hier früher Pionierlager statt. Viele Gebäude sind verlassen. Manches funktioniert nicht mehr, so wie die Sanitäreinrichtungen. Diese sind in keinem guten Zustand. Das weitläufige Gelände könnte ein schöner Park sein, doch vieles wirkt ungepflegt und heruntergekommen. Aber vielleicht ist das auch alles eine Chance. Denn es hat etwas Abenteuerliches. Zwischen alten Gebäuden, bröckelnden Wegen und großen Bäumen kannein Raum für Gemeinschaft, Gespräch und Glaube entstehen.

Mittagessen vor (Foto: Haaks)
Auf dem Programm am 9. Mai standen Spiele, gemeinsames Essen, Musik, Gespräche, biblische Geschichten und ein gemeinsamer Gottesdienst. Besonders wichtig war den Mitarbeitenden, bewusst einen handyfreien Raum zu schaffen, damit es zu wirkichen Begegnungen, Kennenlernen und Gesprächen kommt. „Wir merken aber auch bei uns: Es wird immer schwieriger, Jugendliche zu begeistern. Wir müssen lernen, sie wirklich zu verstehen“, sagt Pastor Valentin. Entscheidend seien nicht perfekte Programme, sondern echte Begegnungen und gemeinsame Erfahrungen.
Im Mittelpunkt an diesem Tag stand die Frage nach Vorbildern: Wen bewundern wir? Welche Bilder prägen uns? Welche Ziele verfolgen wir? Die Jugendlichen selbst hatten das Thema vorgeschlagen. Ausgangspunkt war ein Wort aus dem ersten Korintherbrief (1. Kor 4,16f). Paulus warnt dort davor, falschen Vorbildern zu folgen, statt sich an Christus zu orientieren. Gerade in Zeiten sozialer Medien habe das eine neue Aktualität, so Valentin. Oft kenne man die Werte und den Charakter der bewunderten Personen gar nicht, Und dann erschreckt man später über ihre Haltungen. Umso wichtiger seien Menschen, die glaubwürdig und sichtbar christlichen Glauben leben.

Pastor Valentin beschreibt die Herausforderungen offen: „Der muslimische Kontext ist für die evangelische Jugendarbeit herausfordernd. Manche Jugendliche dürfen deshalb gar nicht kommen.“ Gleichzeitig verändere sich die Gesellschaft in Kirgistan stark. Umso wichtiger seien solche Treffen. „Die Jugendlichen sollen merken: Ich glaube nicht allein evangelisch. Es gibt noch andere junge Menschen, die so glauben wie ich.“
Gerade darin liegt die besondere Bedeutung dieser Jugendtage für die kleine lutherische Kirche des Landes. Sie schaffen Gemeinschaft in einer Situation, in der viele junge Christen sich als Minderheit erleben. Vor allem aber sollen die Jugendlichen spüren, dass sie angenommen und geliebt sind nicht wegen ihrer Leistung oder ihres Erfolges, sondern weil Christus sie trägt.
Die Jugendarbeit der Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Kirgisistan ist für die kleine Kirche überlebenswichtig. Viele Gemeinden bestehen nur aus wenigen Dutzend Mitgliedern, oft verstreut über große Entfernungen. Umso wichtiger sind Angebote für Kinder und Jugendliche, die Gemeinschaft, Glauben und Perspektiven vermitteln. „Ohne unsere Jugendarbeit stirbt unsere Kirche,“ ist Bischof Eichholz überzeugt.
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