
(Foto: Haaks)
Seit 25 Jahren besteht in Winogradnoje das „Haus der Barmherzigkeit“. Bis heute ist es ein verlässlicher Ort für alte Menschen – unabhängig von Konfession oder Religionszugehörigkeit. Ermöglicht wurde dies auch durch die wiederholte Unterstützung des GAW in den vergangenen Jahren. Erst vor Kurzem konnte eine umfassende Innensanierung abgeschlossen werden. Die Räume sind nun hell, funktional und würdig gestaltet; für die Bewohnerinnen bedeutet dies spürbar mehr Lebensqualität. Gerade deshalb ist dieses Haus mehr als eine rein sozial-diakonische Einrichtung: Es ist ein Ort, an dem Menschen gesehen werden und an dem ihre Würde bis zuletzt zählt.
Derzeit leben neun Frauen im Haus, viele von ihnen hochbetagt. Hinter jeder Tür steht eine eigene Lebensgeschichte, oft geprägt von Brüchen und Verlusten. Da ist etwa Nadeschda, die einst mit ihrem Sohn nach Moskau zog. Ihre Tochter lebt heute in Deutschland, der Sohn verstarb plötzlich. Nadeschda blieb allein zurück, zunehmend von Demenz gezeichnet. Schließlich gelang es, sie in ihren Heimatort Winogradnoje zurückzuholen. Seit zwei Monaten findet sie im Haus Schutz und Betreuung. Eine andere Bewohnerin feierte im Oktober ihren 90. Geburtstag; sie ist kaum noch ansprechbar und wurde von ihren Angehörigen allein gelassen. Viele Bewohnerinnen sind in einer ähnlichen Situation und auf Hilfe angewiesen. Im „Haus der Barmherzigkeit“ erfahren sie gelebte Zuwendung.

(Foto: Haaks)
Die allgemeine Situation in Seniorenheimen in Kirgistan ist angespannt. Traditionell werden ältere Menschen innerhalb der Familie versorgt. Doch durch Arbeitsmigration und zunehmende Armut wächst die Zahl derjenigen, die im Alter auf sich allein gestellt sind. Staatliche Einrichtungen sind rar, oft überfüllt und verfügen meist nur über eine einfache Ausstattung sowie zu wenig Personal. Häufig teilen sich mehrere Bewohner ein Zimmer, und die medizinische Versorgung ist begrenzt. In der Regel müssen die Bewohner ihre gesamte, ohnehin niedrige Rente – sie liegt meist zwischen 50 und 100 Euro im Monat – abgeben. Für zusätzliche Pflege oder Medikamente reicht das kaum aus.
Initiativen wie jene der lutherischen Kirche in Winogradnoje versuchen, bessere Bedingungen zu schaffen. Hier gibt es persönliche Betreuung und eine würdige Atmosphäre. Allerdings sind solche Einrichtungen fast immer auf Spenden angewiesen. Auch das Heim in Winogradnoje kann sich nicht selbst tragen.
Das Team vor Ort zeigt großes Engagement. Irina, die das Haus seit 15 Jahren leitet, begann einst als Köchin. Sie kennt die Bewohnerinnen, die Abläufe und die Herausforderungen genau. Bereits der Einkauf von Lebensmitteln ist schwierig, da es in Winogradnoje keine geregelten Versorgungsstrukturen gibt. Auch qualifiziertes Personal zu finden, ist eine Hürde. „Das Haus der Barmherzigkeit“ am Leben zu erhalten, ist eine Herausforderung, die ohne Hilfe von außen nicht möglich wäre.
Das GAW unterstützt in diesem Jahr das „Haus der Barmherzigkeit“: https://www.gustav-adolf-werk.de/projekt-detail/kirgisistan-ein-haus-der-barmherzigkeit-fuer-senioren-und-seniorinnen.html
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