
Im kirgisischen Dorf Vasilyevka, 40 Kilometer von Bischkek entfernt, begann 2012 ein bemerkenswertes diakonisches Projekt der kleinen lutherischen Kirche. Eher zufällig begann es. Aber dahinter stand eine tiefe Not. Aus Deutschland bekam Bischof Eichholz die Bitte, ein konkretes Projekt zu unterstützen. Ein Ehepaar, das aus der Region stammte, wollte etwas zurückgeben. Schon länger trieb Bischof Eichholz der Gedanke, dass es für Kinder mit Behinderungen kaum Hilfe im Land gab. Sie wurden versteckt und lebten am Rand der Gesellschaft.
So begann die Arbeit in einem Haus, das ursprünglich für vertriebene kurdische Familien gedacht war. Mitarbeitende suchten Familien auf, bauten Vertrauen auf und boten zunächst medizinische Hilfe an. In einem mehrheitlich muslimischen Umfeld war das nicht selbstverständlich. „Warum helft ihr?“ Bischof Eichholz Antwort: „Aus christlicher Nächstenliebe, denn jedes Geschöpf Gotes hat eine Würde und auf Liebe angewiesen. Niemand ist in Gottes Augen wertlos!“ Keinerlei missionarische Absicht stand hinter der Initiative. Das ist in dem mehrheitlich muslimischen Land nicht möglich.
Heute werden hier 25 Kinder betreut, die meisten aus muslimischen Familien. Es gibt enge Kooperationen mit einer staatliche Schule. Lehrerinnen sind abgestellt, hier in max. Dreigrupen die Kinder zu fördern. Einige Kinder schaffen später den Wechsel in Regelschulen.

Besonders eindrücklich sind die Lebensgeschichten ehemaliger Schülerinnen. Da ist etwa Leilo, die mit einer schweren körperlichen Beeinträchtigung geboren wurde. Durch Operationen, die mit Hilfe des Projekts ermöglicht wurden, konnte sie neue Perspektiven gewinnen. Heute arbeitet sie selbst als Lehrerin und möchte weitergeben, was sie erfahren hat: dass christliche Hilfe Menschen aufrichtet. Oder Seischan: Nach einem schweren Unfall lag sie wochenlang im Koma, konnte nicht mehr in ihre Schule zurückkehren. Im Förderzentrum fand sie einen neuen Anfang, schloss die Schule ab, studiert inzwischen Pädagogik in Bischkek und arbeitet in einem Kindergarten. Ihr Wunsch ist es, die Liebe und Geduld, die sie hier erfahren hat, an andere Kinder weiterzugeben.
Solche Geschichten erklären, warum dieses Projekt mehr ist als soziale Hilfe. In Vasilyevka mit rund 15.000 Einwohnern und zehn Moscheen werden christliche Initiativen genau beobachtet. Sponsoren in diesem Umfeld zu gewinnen, ist schwierig, da Unterstützung oft an religiöse Erwartungen gebunden. Staatliche Hilfe gibt es nur durch die entsandten Lehrerinnen. Gerade deshalb hat dieses Projekt besonderes Gewicht: Es will niemanden bekehren. Aber es zeigt, was christliches Zeugnis im muslimischen Kontext bedeuten kann.
Inzwischen ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Um die Arbeit langfristig zu sichern, wird auch über Elternbeiträge nachgedacht. Das aber ist ein sensibler Schritt in einer Umgebung, in der Hilfe möglichst kostenlos sein soll und schnell missverstanden werden kann. Zudem leben viele Familien am Existenzminimum.
Alfred Eichholz betont, wie wichtig ihm dieser Ort ist: „Hier ist etwas entstanden, an dem Kinder mit Behinderungen nicht versteckt werden. Sie haben einen Platz im Leben gefunden – und ihre Familien oft zum ersten Mal Hoffnung. Mir ist es ein Herzenasanliegen, dass dieses Projekt noch lange Bestand hat!“
Das aber schafft Bischof Eichholz mit seiner Kirche nicht allein.
Das GAW unterstützt dieses Projekt in diesem Jahr mit 5 000 €: https://www.gustav-adolf-werk.de/projekt-detail/kirgisistan-foerderschule-fuer-kinder-und-jugendliche-mit-behinderung-in-wassiljewka.html
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