Gottesdienst im Bethaus (Foto: Haaks)

Die lutherische Gemeinde in Ananjewo gehört zu den ältesten evangelisch-lutherischen Gemeinden in Kirgisistan. Sie wurde 1907 gegründet, als viele Deutsche aus der Wolgaregion nach Zentralasien umsiedelten. Hintergrund war, dass es in den traditionellen deutschen Siedlungsgebieten an der Wolga kaum noch Land und Entwicklungsmöglichkeiten gab. Gleichzeitig wollte das Zarenreich gezielt russische und deutsche Fachkräfte in Zentralasien ansiedeln, um die Region wirtschaftlich zu entwickeln.

So entstand auch die Gemeinde in Ananjewo nahe dem Issyk-Kul. Über Jahrzehnte war sie ein geistliches Zentrum für deutschsprachige Lutheraner in der Region. Die Gemeinde überstand Verfolgung, Sowjetzeit und mehrere große Auswanderungswellen nach Deutschland in den 1990er Jahren. Trotz dieser Verluste ist die Gemeinde lebendig geblieben. Heute gehören ihr rund 50 Menschen an, darunter erfreulich viele Kinder und Jugendliche.

Das Bethaus der Gemeinde war allerdings stark sanierungsbedürftig. Vor allem im langen Winter war das Gebäude kalt und undicht. Es musste saniert werden. Das GAW unterstützte mit dem Projektkatalog 2020 die Sanierung mit 10 000 €.

Bischof A. Eihholz, Pfr. H. Rühl
(Foto: Haaks)

Dass die Sanierung gelang und das Bethaus hell, einladend und freundlich ist, davon konnte sich eine GAW-Delegation beim Besuch überzeugen.

In einem Gottesdienst bedankte sich Pastor Valeri im Namen der ganzen Gemeinde für die erhaltene Unterstützung: „Es ist nicht selbstverständlich, dass ihr uns helft bei so großen Nöten in der Welt.“

Pfarrer Horst Rühl predigte im Gottesdienst über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und stellte die Frage: „Wem werde ich zum Nächsten?“ Am Beispiel der jungen Frau Leilo des diakonischen Projektes der lutherischen Kirche in Vasilyevka machte er deutlich, wie die Antwort sein kann. Leilo betonte, so Rühl mit den Worten „ich schließe mich euch an“ wie über Grenzen hinweg Gemeinschaft entsteht. Leilo hat durch das Projekt ins Leben gefunden und ist jetzt Lehrerin.

In einem kirchlichen Gebäude wie dem frisch sanierten Bethaus in Ananjewo geht es immer wieder um diese Frage, wem wir alle zum Nächsten werden.

In Ananjewo geht es darum. Und es geht darum, dass sich Menschen unter Gottes Wort sammeln in einer Region, in der christliche Minderheiten klein geworden sind.