
Am 24. Juni 2026 erschütterten zwei Erdbeben Venezuela. Viele Menschen verloren ihr Zuhause. Die Katastrophe traf ein Land, dessen Bevölkerung bereits seit Jahren unter einer schweren wirtschaftlichen und sozialen Krise leidet. Versorgungsengpässe, eine geschwächte öffentliche Infrastruktur und die politische Unsicherheit verschärften die Not. In den Notunterkünften fehlte es an Platz, Wasser und ausreichender medizinischer Versorgung. Dazu kamen Angst, Trauer und die Ungewissheit, wie es weitergehen sollte.
In dieser Situation wurde die ökumenische Organisation Acción Ecuménica (AECU) zu einer wichtigen Anlaufstelle. Sie aktivierte ihre internationalen kirchlichen Netzwerke und organisierte medizinische Hilfe. Ihre Zentrale im Stadtteil La Pastora in Caracas wurde für sechs Wochen zur Basis internationaler Hilfsteams. Ärztinnen und Ärzte aus Ecuador, Mexiko und Kolumbien unterstützten die Versorgung der Menschen in Caracas und im Bundesstaat La Guaira.
Die Not war groß. In den Notunterkünften teilten sich häufig mehrere Familien einen Raum. Die hygienischen Bedingungen waren schwierig, und die öffentliche Gesundheitsversorgung konnte den Bedarf kaum decken. Acción Ecuménica organisierte deshalb medizinische Untersuchungen, kinderärztliche Versorgung, Laborleistungen und Medikamente. Auch Physiotherapie und Rehabilitation gehörten zum Angebot. Ein Erdbeben hinterlässt nicht nur Schäden an Gebäuden. Es erschüttert auch das Gefühl von Sicherheit. Menschen verlieren ihr Zuhause, vertraute Lebenszusammenhänge und manchmal Angehörige. Die Angst vor weiteren Erschütterungen bleibt. Deshalb gehörte die psychologische Erste Hilfe zu den Schwerpunkten der Arbeit. Betroffene erhielten Unterstützung im Umgang mit Angst, Trauer und traumatischen Erfahrungen. Zugleich wurden medizinisches Personal, Lehrkräfte, Eltern und Betreuungspersonen darin gestärkt, Menschen in Krisensituationen zu begleiten.

(Foto: AECU)
Auch ein Thema, das in Notsituationen leicht übersehen wird, hatte seinen Platz: die Menstruationshygiene. Acción Ecuménica verteilte Menstruationstassen und verband dies mit Informationen über Hygiene und Gesundheit. So ging es auch darum, die Würde und Selbstbestimmung von Frauen unter schwierigen Lebensbedingungen zu schützen.
Von Juli bis Oktober 2026 dokumentierte die Organisation insgesamt 2.420 Unterstützungsleistungen.
Am 8. und 9. Oktober kamen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener christlicher Organisationen und Gemeinden unter dem Titel „Wenn die Erde bebt, wird Hoffnung zum Dienst“ zusammen. Sie tauschten Erfahrungen aus und reflektierten, was die geleistete Hilfe bewirkt hatte und welche Aufgaben noch vor ihnen lagen.
Dabei ging es auch um eine grundlegende Frage des Glaubens: Wie können christliche Gemeinden Menschen in Situationen von Leid, Verlust und Unsicherheit beistehen? Die Antwort blieb nicht theoretisch. Sie zeigte sich in der Zusammenarbeit, in der medizinischen Versorgung und in der Bereitschaft, Menschen auch seelisch und geistlich zu begleiten.

Genau darin liegt die Stärke ökumenischer Partnerschaft. Unterschiedliche Kirchen und Organisationen bringen ihre Möglichkeiten, Erfahrungen und Kontakte ein. Sie helfen einander, damit Hilfe diejenigen erreicht, die sie dringend benötigen. Nicht eine einzelne Organisation muss alles leisten. Entscheidend ist, dass Menschen zusammenarbeiten und Verantwortung füreinander übernehmen.
Acción Ecuménica will die Arbeit fortsetzen. Die medizinische und psychosoziale Versorgung soll gestärkt, die Hilfe auf weitere betroffene Regionen ausgeweitet werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausbildung von Pastorinnen, Pastoren und kirchlichen Mitarbeitenden. Sie sollen lernen, Menschen nach traumatischen Erfahrungen verantwortungsvoll zu begleiten und bei Bedarf professionelle Hilfe zu vermitteln. Denn die örtlichen Gemeinden bleiben auch dann präsent, wenn internationale Hilfsteams längst weitergezogen sind. Sie kennen die Menschen, ihre Lebensgeschichten und ihre Sorgen. Werden sie gestärkt, können sie langfristig zu wichtigen Anlaufstellen werden.
Für die beschriebenen Maßnahmen wurden insgesamt 21.300 US-Dollar eingesetzt. Durch die Vermittlung des GAW konnten 18.000 US-Dollar für das Programm bereitgestellt werden.
Auch die Lutherische Kirche in Venezuela (IELV) leistete nach dem Erdbeben Nothilfe. Mit Unterstützung des GAW versorgte sie betroffene Familien in fünf besonders betroffenen Wohngebieten des Municipio Morón mit Lebensmitteln und dringend benötigten Alltagsgütern. Zugleich schulte sie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in humanitären Standards sowie im Schutz von Kindern und besonders gefährdeten Personen. In Valencia konnten Gemeindemitglieder Erdbebenopfern vorübergehend Wohnraum geben. Desweiteren wurden Lebenmittel- Hygiene- und Kleiderspenden verteilt. Zudem konnten im Strassenkinderheim Casa Hogar in Valencia „Erdbebenwaisen“ vorübergehend ein Platz gegeben werden. Das GAW hat die IELV für ihre Nothilfearbeit bisher mit 10.000 € unterstützt.






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