Yospivka – auf Deutsch Josefstal – wurde ursprünglich 1804 als römisch-katholische Siedlung von Schwarzmeerdeutschen gegründet. Hier lebt Ana. Von der Sozialküche der lutherischen Gemeinde in Neuburg/Nowohradiwka bekommt sie zwei Mal in der Woche ein warmes Mittagessen. Sie lebt in einer Hälfte ihres eigenen Hauses. In der einen Hälfte leben zwei ihrer drei Söhne. Die beiden gehen mit ihrer Mutter schlimm um. Ein Sohn ist psychisch krank, der andere trinkt zu viel. Weil ihnen das Geld ständig ausgeht, versuchen sie immer wieder ihrer Mutter die schmale Rente abzunehmen und schlagen sie häufig. Der dritte Sohn sitzt wegen eines Mordes im Gefängnis.

Ana ist eine von 30 Empfänger:innen eines warmen Mittagessens aus der Sozialküche der Gemeinde von Pastor Alexander Gross. Alexanders Frau Aliona bereitet die Mahlzeiten zweimal in der Woche in ihrer privaten Küche zu.

Aliona Gross

Natalia mit ihrer Tochter Katarina profitiert ebenfalls von der Hilfe der Kirchengemeinde. Natalia war ursprünglich Lehrerin für Ukrainisch. Nach der Geburt ihrer Tochter hatte sie es schwer. Das Mädchen ist mit Downsyndrom geboren. Natalia hat alles getan, damit Katarina in Würde aufwachsen kann. Sie gab ihren Lehrerberuf auf, verkaufte ihr Haus und ging in eine spezielle Einrichtung in Lemberg/Lwiw. Als das Geld aufgebraucht war, mussten die beiden zurück. Das Haus gab es nicht mehr. So kamen sie in einer primitiven Behausung ohne Heizung unter. Zwei Mal in der Woche bekommen auch Natalia und ihre Tochter ein warmes Essen und notwendige Medikamente.

Die Namen der Empfänger:innen der warmen Mahlzeiten bekommt Pastor Gross von der regionalen Verwaltung. Finanzielle Unterstützung erhälter von dort allerdings nicht. Unterstützung für diese Arbeit kommt vom Martin-Luther-Bund und von Einzelspendern. Aber auch Menschen aus der Umgebung helfen. Sie bringen von der eigenen Ernte Kartoffeln oder Mehl. Mal gibt es ein halbes Schwein. Auch die lutherische Gemeinde in Odessa sammelt einmal in der Woche die Kollekte für diese Sozialküche.