Ev. Kirche in Stolp

Słupsk/Stolp: 221 Gemeindemitglieder, zwei Predigtstätten und ein vielfältige Angebote: Die evangelisch-lutherische Gemeinde in Słupsk (Stolp) und Lębork (Lauenburg) bewahrt das evangelische Erbe Pommerns und sucht zugleich neue Wege, Menschen in der heutigen polnischen Gesellschaft zu erreichen.

Stolp war seit der Reformation eine bedeutende evangelische Stadt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs veränderte sich die kirchliche Landschaft grundlegend: Die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, und das evangelische Gemeindeleben musste unter völlig neuen Bedingungen weitergeführt werden auch wenn noch länger die deutsche Sprache bewahrt wurde. Aus einer einst großen evangelischen Kirche wurde eine kleine Diasporagemeinde, die ihre Geschichte bewahrt und zugleich neue Wege in die polnische Gesellschaft sucht.

Als Pfarrer Wojciech Froehlich 2005 nach Słupsk kam, übernahm er eine Gemeinde, deren Leben stark vom Engagement Ehrenamtlicher getragen wurde. Bis 2026 hat er 55 Taufen, 53 Konfirmationen und 147 Beerdigungen begleitet.

Heute gehören 221 Menschen zur Gemeinde. Neben Słupsk gibt es eine zweite Predigtstätte in Lębork. Die Gemeinde ist vergleichsweise jung, doch die deutschsprachige Tradition geht langsam zurück. Besonders bei den Beerdigungen wird deutlich, dass die Generation der Deutschen, die das evangelische Leben geprägt hat, kleiner wird. Gelegentlich finden weiterhin deutschsprachige Gottesdienste statt.

Das Gemeindeleben reicht über den Sonntagsgottesdienst hinaus. Kinder werden im Kindergottesdienst und Religionsunterricht begleitet. Die Gruppe „Frauen in Aktion“ trifft sich wöchentlich und organisiert verschiedene Veranstaltungen. Auch der Weltgebetstag gehört zum Gemeindeleben.

Besonders wichtig ist Pfarrer Froehlich die Öffnung der Gemeinde zur Stadtgesellschaft. In Zusammenarbeit mit dem städtischen Sozialamt und der Diakonie Polen engagiert sie sich für Menschen, die Unterstützung benötigen. Durch diese Arbeit begegnet die Kirche Menschen, die sonst wenig Kontakt zu ihr hätten.

Auch kulturelle Veranstaltungen laden dazu ein, die Kirche neu zu entdecken. Konzerte stehen allen Interessierten offen. Bei einem Gospelworkshop war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Das gibt dann immer wieder die Chance für Begegnungen mit Menschen, die die Gemeinde bisher nicht kannten.

Seit 2019 wurde das Gemeindezentrum umgebaut und weiterentwickelt. Das GAW und weitere Partner haben die Gemeinde dabei unterstützt.

Die Gemeinde ist auf Zuschüsse angewiesen. Umso wichtiger sind Partnerschaften, die finanzielle Unterstützung ermöglichen und zugleich zeigen: Die kleine evangelische Kirche in Słupsk gehört zu einer größeren Gemeinschaft.