Joachim Jäger beim Jahresfest 1993 in Querfurt
(rechts – Foto: GAW)

Joachim Daniel Jaeger (geb. 26. Mai 1935) ist verstorben. Er hat die evangelische Diasporaarbeit im Gustav-Adolf-Werk (GAW) über viele Jahre maßgeblich mitgestaltet.

Sein Lebensweg führte ihn auf ungewöhnliche Weise in die Kirche: Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser und einem begonnenen Ingenieurstudium entschied er sich für die Theologie. Diese praktische Herkunft blieb für sein späteres Wirken prägend. Jaeger dachte nicht nur in Konzepten, sondern hatte stets die konkreten Bedürfnisse von Gemeinden im Blick.

Als er 1987 den Vorsitz des GAW der Kirchenprovinz Sachsen übernahm, erfolgte diese Arbeit noch unter den Bedingungen der DDR. Während der politischen Umbrüche engagierte er sich auch über den kirchlichen Raum hinaus, unter anderem als Moderator des Runden Tisches in Nordhausen, wo er Gespräche strukturierte und zwischen unterschiedlichen Positionen vermittelte.

Nach der Wiedervereinigung gehörte Jaeger zu denjenigen, die das Zusammenwachsen der Gustav-Adolf-Werke Ost und West begleiteten. 1992 wurde er in Herrnhut zum Vizepräsidenten des neu gegründeten GAW der EKD gewählt. In den folgenden Jahren wirkte er an der Neuordnung der Strukturen mit, einschließlich des Umzugs der GAW-Zentrale nach Leipzig.

Inhaltlich setzte Jaeger auf eine nachhaltige Unterstützung der GAW-Partnerkirchen. Ein Schwerpunkt lag für ihn in der Bildungsarbeit. Er förderte das GAW-Stipendiatenprogramm und stärkte das Institut für Diasporawissenschaft in Leipzig, weil er die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Diasporaarbeit für notwendig hielt. Die grundsätzliche Bedeutung dieses Themas für die Kirchen zeigt sich unter anderem darin, dass die GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) der „Theologie der Diaspora“ ein eigenes Studiendokument widmete.

Kritisch sah er die zunehmende Zersplitterung evangelischer Kräfte bei der Unterstützung von Partnerkirchen. Ihm ging es um mehr Zusammenarbeit und darum, vorhandene Ressourcen gemeinsam zu nutzen. In diesem Zusammenhang setzte er sich auch für ein verändertes Verständnis von Hilfe ein – weg vom einseitigen Geben hin zu einem gegenseitigen Teilen.

Joachim Jaeger hat das Gustav-Adolf-Werk in einer Zeit des Umbruchs mitgestaltet und wichtige Impulse für seine Weiterentwicklung gegeben.