Pastor Alexander Gross aus Odessa

Zum zweiten Jahrestag des Ukrainekrieges schickt Pastor Alexander Gross von der lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) eine bewegende Botschaft. Er bittet darum, dass wir nicht nachlassen mit unseren Gebeten und unserer Unterstützung für das Land, seine Kirche und die Soldaten:

„Der Feind und Agressor macht keine Kompromisse. Russland hat klare Ziele. Es will die Ukraine erobern und sich das Land einverleiben. In seinen Augen existiert die Ukraine nicht. So leiden die Menschen in unserem Land unter der brutalen Gewalt. In den okkupierten Regionen werden die Menschen unterdrückt, die ukrainische Sprache ist verboten. Wer sich widersetzt, hat es schwer und wird verfolgt. Menschenleben zählen nicht. Vor wenigen Tagen wurde ein orthodoxer Priester im Chersoner Gebiet von russischen Soldaten einfach erschossen. Sie machen mit den Menschen, was sie wollen, und rauben ihnen ihre Zukunft. Sie zerstören unsere Infrastruktur und entziehen uns Lebensmöglichkeiten. Sie versuchen das Land zu zerstören.

Bedrückend ist, dass im Rest der Welt es immer noch genügend Menschen gibt, die mit dem Krieg Geschäfte machen – und vor allen Dingen mit Russland. Bauteile aus dem Westen für russische Raketen werden immer noch verkauft. Es gibt zu viele, die denken, dass man einen Kompromiss mit Russland finden muss. Und man könne ohne die Ukraine doch leben. Der Krieg stört nur. So wird es für die Ukraine immer schwieriger.

Soldatenfriedhof bei Odessa




Für uns ist das Leben schwer. Es gibt kein Wochenende, so wie es an der Front kein Wochenende gibt. Wir setzen unsere Kräfte ein und machen, was möglich ist, um Menschen beizustehen, die geflüchtet sind. Und wir unterstützen unsere Soldaten.

Wir versuchen allen zu helfen mit Gottes Wort, mit Medizin, Kleidung, Speisen. Wir bauen Häuser mit Hilfe des GAW und anderen Partnern. Wir wollen uns kümmern, auch wenn unsere Kräfte klein sind.

Gott hat uns nicht verlassen und wir verlassen die Menschen nicht. Deshalb verlieren wir unsere Hoffnung auch nicht. Wir glauben an Gott, vertrauen ihm und befehlen unsere Wege ihm an.

Rathaus in Odessa

Wir sind eine Kirche, die solidarisch ist und den Menschen beisteht. Wir dienen ihnen – unabhängig was sie glauben oder auch nicht. Alle sind Gottes Ebenbilder und sie brauchen uns. Unsere lutherische Kirche steht an der Seite der Menschen.

Ich bitte euch in den Kirchen in Deutschland und die Verantwortlichen in der Politk: Vergesst uns nicht! Lasst uns nicht im Stich! Helft uns mit allem, was wir brauchen, damit Russland nicht die Ukraine zerstört!“

Zum zweiten Jahrestages des Kriegsbeginns hat das GAW ein Friedensgebet veröffentlicht. Darin eingebunden ist ein Fürbittgebet, das Ende Januar in Odessa in Kooperation mit der GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) entstanden ist:

https://www.gustav-adolf-werk.de/predigten-und-predigthilfen.html

Zum Gebet der GEK: https://www.leuenberg.eu/gebet-zum-zweiten-jahrestag-des-angriffskrieges-auf-die-ukraine-uk-de-en-po-hu-it/

Am 23. Februar gibt es ein digitales Friedensgebet aus der Prälatur Reutlingen um 19 Uhr mit Pastor Alexander Gross (DELKU) und Pastorin Tatjana Petrenko (DIMOE; ehemals Russland). Hier gibt es die Infos dazu:

https://www.kirchenbezirk-tuebingen.de/service/archiv/240205-frieden-fuer-die-ukraine