Gottesdienst am 8. November 2026 in Belo Horizonte;
Predigt duch den stellv. Kirchenpräsidenten Odair Braun
(Foto: Enno Haaks)

Belo Horizonte ist eine Millionenstadt. Im Großraum leben 5,3-6 Millionen Menschen. Und hier versucht eine kleine evangelisch-lutherische Gemeinde – die nächste lutherische Gemeinde ist weit entfernt – ihren Glauben zu leben. Das ist und bleibt herausfordernd. Wie hält man die Gemeinde zusammen? Denn die Wege sind weit, Menschen verlieren sich aus dem Blick, manche wechseln auch zu pfingstkirchlichen Gemeinden. Die Gemeinde hat rund 120 Mitglieder, die regelmäßig Beiträge zahlen. Das reicht finanziell nicht aus. Da braucht es andere Aktivitäten, die Geld einbringen. Seit November 2025 versucht Pastor Lincoln Weitzel Eiter, die Gemeinde neu aufzubauen.

Die Geschichte der Gemeinde reicht bis 1933 zurück. Damals gründeten deutschstämmige Familien eine evangelische Gemeinde. Der Zweite Weltkrieg unterbrach das Gemeindeleben. 1946 wurde die Gemeinde mit 50 Familien neu gegründet. 1962 konnte die eigene Kirche, die Igreja da Paz (Friedenskirche), eingeweiht werden. Aus der deutschsprachigen Auswanderergemeinde ist längst eine brasilianische Gemeinde geworden.

1990 gründete die Gemeinde die gemeinnützige Institution Beneficente Martim Lutero (IBML), um ihre soziale Arbeit dauerhaft zu organisieren. Heute gehören dazu drei Einrichtungen: Das Centro de Integração Martinho bietet Kindern und Jugendlichen aus dem Armenviertel Aglomerado da Serra pädagogische, künstlerische und sportliche Angebote. Das Centro Cantinho Amigo betreut kleine Kinder in Ribeirão das Neves. Das Lar Luisa Griese begleitet ältere Menschen. Die IBML zeigt, wie eine kleine Gemeinde gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und ihren Glauben praktisch werden lässt.

Aber auch hier zeigt sich, dass es in einer Millionenmetropole nicht leicht ist, das Gemeindeleben mit dem diakonischen Engagement zusammen zu halten.

Die Gemeinde hat selbst nicht einfache Jahre hinter sich. Es gab Konflikte zwischen Pfarrpersonen und der Gemeindeleitung. Das hat den Gemeindeaufbau erschwert. Man hat  Menschen und Vertrauen verloren. Lincoln steht deshalb vor einer besonderen Aufgabe: Er muss nicht nur Strukturen sichern, sondern Gemeinschaft neu entstehen lassen und der Gemeinde wieder ein Gesicht geben. Auch eine neue Anbindung der diakonischen Arbeit an das Gemeindeleben soll dabei helfen.  

Das bedeutet vor allem Beziehungsarbeit. Besuche sind wichtig, auch wenn die Entfernungen groß und die Arbeitswege lang sind. Eine WhatsApp-Gruppe hilft, Kontakte zu halten und Besuche zu verabreden. Gottesdienste am Wochenende und Bibelstunden, auch per Zoom, schaffen neue Begegnungsmöglichkeiten. Ein gut besuchter Gottesdienst und der anschließende Kirchenkaffee zeigen, dass Menschen wieder zusammenfinden.

„Es ist herausfordernd,“ gibt Lincoln zu. „Aber es gibt immer wieder Lichtblicke, denn es kommen immer wieder vereinzelt Menschen zur Gemeinde, die in Pfingstkirchen waren. Dort hat sie gestört, dass es oft genug um Politik ging. Sie suchen aber Kirche, die nüchterner ist und differenzierter. Bei uns können sie da andocken.“ Und fährt fort: „Diese Menschen zu finden und von unserem schönen Ort zu erzählen: das bleibt die permanente Aufgabe der Gemeinde.“