Krisztina Badó aus dem Bischofsbüro der Reformierten Kirche in Transkarpatien/Ukraine schrieb uns eine bewegende Mail:


„Seit einer Woche versuche ich, Ihnen eine Mail zu schicken, aber die Stromausfälle
haben es leider unmöglich gemacht … Es ist uns nun gelungen, einen Generator für das Bischofsbüro zu besorgen. Die Häuser in den Dörfern sind dunkel, kalt und ohne Wasser. Es gibt keine Straßenbeleuchtung. Das sind wir nicht gewohnt. Bei allem sind wir dankbar, dass es in unserer Gegend keine Bombenangriffe gibt. Alle Pastoren sind nach wie vor bei ihren Gemeinden. Auch die meisten Mitarbeiter sind geblieben und tun ihre Arbeit.

 
Das ukrainische Energiesystem hat schwere Schäden erlitten. Kiew und die dortige
Energieversorgung sind durch die Angriffe besonders stark betroffen. Es gibt drastische Notfallbeschränkungen, um einen totalen Stromausfall zu verhindern. Die Regierung stimmt die Bevölkerung auf längere Abschaltungen ein. Die Verantwortlichen setzen alles Mögliche in Bewegung, um die Situation so schnell wie möglich zu stabilisieren, heißt es in einer Stellungnahmen.

Allerdings machen der Krieg, die lückenhafte Energie- und die Lebensmittelversorgung und dazu die alltäglichen Probleme allen Gemeinden und diakonischen Einrichtungen der Reformierten Kirche in Transkarpatien zu schaffen. Die Aufrechterhaltung des Betriebes der Schulen, Kindergärten und der Heime ist gefährdet. Der Gründe sind nicht allein die hohen Lebensmittel- und Energiepreise, sondern auch die zunehmende Abwanderung unserer Gemeindemitglieder.

Wir hoffen, dass bald Frieden einkehrt und diese schreckliche Zeit ein Ende hat. Ich lege Ihnen ein Gebet eines unserer Pastoren bei. Dieses Gebet zeigt unser tägliches Leben und unsere Schwierigkeiten, aber auch unsere Hoffnung.


Bitte betet für uns und besonders betet um Frieden in dieser Adventszeit!“

Gebet

(von Pfarrer Zoltán Laskoti)

Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, und erleuchte uns mit deiner Gnade!

Unsere Kerzen sind verbrannt und verglüht, unsere Batterien sind leer, wir haben keinen Empfang und kein Internet – wir beten, bis die Dunkelheit uns einhüllt. 

Wir erinnern uns an die Zeiten, als das Wasser noch verlässlich aus dem Hahn floss, Licht die Zimmern erhellte und die Heizung funktionierte und wir nicht in ständiger Sorge aufwachten. 

Unser Leben ist voll von Klagen und Spannungen, Herr. Viele von uns sind gestresst. Man sieht es ihnen an. Einige suchen Trost im Alkohol. Viele Männer sind verzweifelt. Ihre Frauen leben in Angst. 

Bleib bei uns in den langen Nächten, Herr, finde die Verlorenen und Verlassenen und führe sie zurück.


Unsere Kinder sitzen in feuchten, dunklen Kellern während der Luftangriffe. In unseren Kirchen zünden wir Kerzen an und wärmen unsere Hände an ihren Flammen. Wenn wir singen, haben viele feuchte Augen. Unsere Augen und Seelen sind müde von den Strapazen. Wir hören oft leichtgläubig den düsteren Nachrichten zu. Wir haben Angst vor dem Winter und der Kälte. 

Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, denn der Winter kommt!

Wir warten auf dich, Herr, wie die Wächter auf den Morgen warten, wie die, die im Dunkeln sitzen, auf die ersten Lichtstrahlen. Wir warten darauf, dass du sprichst, dass du handelst, dass du uns leitest.

Wir hoffen auf deine Verheißungen und dass sie nichts von ihrer Kraft verlieren. Wir vertrauen auf Dich.

Wir danken dir für die Familien, die zusammengeführt werden, Herr, gib, dass diese Not die Menschen einander näher bringt und nicht auseinander!

Danke, dass unsere Zeit in deinen Händen liegt und nichts – weder Mächtige noch Gewalten – uns trennen kann von dir. Auf dich vertrauen wir, denn du schenkst uns Gnade und Erlösung.

Bleib bei uns durch die langen Nächte, Herr, und die Nacht wird enden, sie wird sicher enden. Amen

 

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