Pastor Paolo und Denis

„Darf ich dir Denis vorstellen?“ fragt Pastor Paolo beim Besuch der Protestantischen Gemeinde Herstal. Herstal liegt in der Nähe von Lüttich. Die  Gemeinde ist bunt gemischt. Menschen aus Kamerun, dem Kongo, Italiener, Polen und Syrer gehören ihr mittlerweile an. Noch bunter geht es in der großen Pfadfinderarbeit zu. Bis an die 100 Kinder und Jugendliche treffen sich hier wöchentlich aus veielen weiteren Nationen – so jedenfalls hofft man bald auch wieder weitermachen zu können. Die wenigsten von ihnen sind noch evangelisch. „Aber diese Arbeit hilft uns, bekannt zu bleiben und Menschen neugierig zu machen!“ sagt Paolo. „Denis hat ein gutes Händchen mit den Kindern und Jugendlichen,“ sagt er. „Er motiviert sie, spricht mit ihnen, zeigt ihnen seine Gartenarbeit. Ohne Denis würde hier vieles nicht so gut laufen: er ist Hausmeister, „Mädchen für alles“, Ansprechpartner, Gärtner, Mitglied im Kirchenvorstand und auch Prediger.“

Seit 15 Jahren lebt Denis in Herstal. Seine Geschichte ist abenteuerlich. In den 80er Jahren kam er  aus dem Kongo nach Europa. Zunächst nach Griechenland. Hier ging er zur Ersten Gemeinde der Griechischen Evangelischen Kirche, studierte zunächst Ökonomie. Bald ermutigte ihn der Pastor der Gemeinde, die Bibelschule der Kirche zu besuchen. Drei Jahre tat er das. Seine Kirche schickte ihn dann nach Amsterdam zum weiterführenden Theologiestudium. Weitere drei Jahre studierte er dort. Nun konnte er

Denis Garten im Gemeindezentrum Herstal

neben Griechisch auch noch Holländisch. Dann schickte man ihn nach Löwen, um hier seinen Master zu machen. Das gelang nicht. Er verlor seinen Studentenstatus und musste sehen, wie er klarkam. So kam er schließlich nach Herstal. Die Region gehörte durch Kohlebergbau und florierende Industrie zu den reicheren Regionen Europas. Das ist schon länger vorbei. Inzwischen gehören Kommunen wie Herstal zu den ärmeren in Belgien. 

Wenn Paolo nicht gewesen wäre… – Paolo half Denis. Er brachte ihn im protestantischen Gemeindezenztrum Le Foyer unter. Hier bekam er ein kleines Appartment mit

Vor Le Foyer in Herstal


seiner Frau und kümmert sich seitdem um vieles in der Gemeinde. 

Schicksale wie die von Denis sind kein Einzelfall in Herstal. Le Foyer ist zum Anlaufpunkt für Bedürftige geworden. Hier wird für etliche Familien gekocht, Lebensmittelpakete verteilt, Kleider ausgegeben, Möbel besorgt, Wäsche gewaschen, Sprachkusre gegeben, Workshops veranstaltet und zugehört. Wie der Name sagt: Le Foyer ist wie ein zu Hause. Das will die Gemeinde anbieten. „Uns ist es als evangelische Christen nicht egal, wie es den Menschen um uns herum geht. Wir wollen für sie da sein und ihnen helfen!“ sagt Paolo.

Das Zentrum Le Foyer ist in die Jahre gekommen. Um die Arbeit fortsetzen zu können, sind dringende Renovierungsmassnahmen durchzuführen. Am Brandschutz muss ebenso etwas getan werden, sonst droht die Schließung. Im kommenden Projektkatalog 2022 soll für Le Foyer gesammelt werden, damit die evangelische Gemeinde bei den Menschen bleiben kann.