
Himmelfahrtskirche in Paris
(Foto: Haaks)
Wie kann Frieden entstehen, wenn eine Gesellschaft auseinanderdriftet, junge Menschen sich ausgeschlossen fühlen und Protest in Gewalt umschlägt? Angesichts der Ereignisse in Italien und Frankreich in den vergangenen Tagen nimmt die französische Pfarrerin Sandrine Maurot diese Fragen in einem Gebet auf, das weder die Verletzten noch die Zerstörungen ausblendet. Zugleich erinnert sie an die vielen Menschen, die friedlich demonstrieren und sich für Reformen, bessere Bildung und eine gerechtere Zukunft einsetzen.
Ihr Gebet ist ein Plädoyer dafür, genauer hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und niemanden aufzugeben. Es erinnert daran, dass sozialer Frieden mehr braucht als die Abwesenheit von Gewalt: Er braucht die Bereitschaft zuzuhören und Wege, Menschen aus der Ausgrenzung zurück in die Gemeinschaft zu führen. Das Gebet fragt, wie ein Frieden gelingen kann, der niemanden zurücklässt.
Gott des Mitgefühls,
höre das Leid der jungen Menschen und der Polizistinnen und Polizisten, die am Rande der Demonstrationen verletzt wurden,
das Leid der Geschäftsleute, die mitunter das Werk eines ganzen Lebens verloren haben.
Höre, wie der Hass zunimmt und unsere Gesellschaft immer tiefer spaltet.
Wir bitten dich, uns Wege zu zeigen, wie wir Frieden schaffen können,
einen dauerhaften Frieden, der dem Anspruch Jesu gerecht wird, dass kein einziger Mensch verloren gehen darf.
Gott der Gerechtigkeit, sieh auf das, was die Medien zu wenig zeigen:
die großen friedlichen Demonstrationen,
die lebhaften Diskussionen der Schülerinnen und Schüler sowie der Studierenden,
die Demokratie einüben,
die Reformen fordern,
die sich eine hochwertige Bildung wünschen, die jedem jungen Menschen eine menschenwürdige Zukunft eröffnet.
Sieh auch auf das, was die Medien immer wieder zeigen:
die eingeschlagenen Schaufenster,
die geplünderten Geschäfte, geplündert von anderen jungen Menschen,
die von einer Konsumgesellschaft träumen, von der sie sich ausgeschlossen fühlen,
die ihre Ablehnung nicht mehr anders auszudrücken wissen, als indem sie Dinge zerstören.
Vergib uns, denn unsere Gesellschaft hat sich zu wenig um die jungen Menschen gekümmert.
Sie hat zu wenig Geld, Kreativität und Energie aufgebracht,
um ihrer Jugend besser zuzuhören und ihr eine bessere Bildung und Erziehung zu ermöglichen.
Inspiriere uns!
Lass Christus unser Vorbild sein,
ihn, der auf Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten zuging,
der mit allen das Gespräch suchte,
der niemals einen Menschen aufgab,
sondern unermüdlich daran arbeitete, Ausgegrenzte wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen
und der Gewalt ihre Macht zu nehmen.
Schenke uns die Kraft und die Gnade,
in seiner Nachfolge unser Leben großzügig einzusetzen,
damit die Welt Leben in Fülle hat.
Amen.
Gebet von Sandrine Maurot, Pfarrerin am Temple Protestant du Foyer de l’Âme in Paris und Mitglied des Fachbeirats für Liturgie der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), angesichts der Ereignisse vom 17. Oktober 2026.






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