
in Beirut (Foto: Haaks)
„Hilf uns, dass wir deine Kirche lieben und sie stärken, und dass sie auch uns im Glauben und in der Hoffnung stärkt“, so betete ein junges Mädchen im Gottesdienst einer evangelisch-armenischen Kirche in Beirut. Von dieser Liebe zur eigenen Kirche war im Gottesdienst viel zu spüren. Die Kirche bedeutet den Menschen viel: für ihr alltägliches Leben, für ihre Identität und für ihr Dasein in einer Region der Welt, die jede und jeden immer wieder vor große Herausforderungen stellt.
Umso bewundernswerter ist es, wie die Gemeinde zusammenstand und anpackte, als ihre Kirche und die angrenzende Schule durch die Explosion eines Silos im Hafen von Beirut schwer beschädigt wurden. Damals, am 4. August 2020, starben mehr als 200 Menschen, über 6.000 wurden verletzt. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört, die umliegenden Gewerbe- und Wohnviertel stark beschädigt – teils noch in mehr als 30 Kilometern Entfernung. Die armenisch-evangelische Kirche mit ihrer Schule, nur etwa 800 Meter Luftlinie vom Explosionsort entfernt, erlitt Schäden in Höhe von rund 350.000 US-Dollar.

Blick vom Kirchendach (Foto:Haaks)
Die Kirche, 1932 erbaut, wurde durch die gewaltige Explosion schwer getroffen. Ein Jahr lang dauerte der Wiederaufbau, bis im August 2021 erstmals wieder Gottesdienst gefeiert werden konnte. Das GAW beteiligte sich an der Sanierung mit 15.000 Euro.
Dass hier heute wieder gebetet, gesungen und Abendmahl gefeiert wird, ist mehr als eine bauliche Leistung – es ist ein sichtbares Zeichen der Hoffnung. Oder, wie es GAW-Präsident Dr. Martin Dutzmann im Gottesdienst formulierte: „Diese Kirche steht dafür, dass Zerstörung nicht das letzte Wort hat. Sie erinnert uns daran, dass wir als Christinnen und Christen weltweit miteinander verbunden sind – im Gebet und in konkreter Solidarität.“

(Foto: Haaks)
Zur Gemeinde gehört auch eine Schule, in der 340 Kinder unterrichtet werden. Nur etwa zehn Prozent von ihnen stammen aus der evangelisch-armenischen Kirche; die meisten sind orthodoxe oder katholische Kinder, einige wenige kommen aus muslimischen Familien. Der Unterricht findet auf Englisch, Arabisch und Armenisch statt. Neben Bildung erhalten die Kinder spirituelle Begleitung, psychologische Unterstützung und – wo nötig – auch wirtschaftliche Hilfe. Pastor Hrayr Cholakian betont: „Unsere Schule ist ein Ort des Zusammenlebens. Hier lernen Kinder, dass Vielfalt kein Problem ist, sondern ein Reichtum.“
Das Gemeindeleben ist vielfältig: Sonntagsschule, Jugend- und Junge-Erwachsenen-Gruppen, ein Ehepaarkreis, engagierte Frauenarbeit und inzwischen auch eine Männergruppe prägen den Alltag. Eine zentrale Rolle spielt die Sozialarbeit. Zwei Sozialarbeiter und der Pastor begleiten ältere Menschen, unterstützen Witwen, helfen finanziell Bedürftigen und ermöglichen medizinische Versorgung. Kirche zeigt sich hier ganzheitlich – als geistliche und soziale Heimat.
Die armenische Gemeinschaft im Libanon umfasst heute noch etwa 60.000 bis 80.000 Menschen. Vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs 1975 waren es rund dreimal so viele. Wirtschaftlicher Zusammenbruch, Inflation, politische Unsicherheit und anhaltende Spannungen in der Region haben viele zur Auswanderung gezwungen. Dennoch bleibt die Gemeinde präsent – als Minderheitskirche mit Ausstrahlungskraft.
Im Gottesdienst griff Dr. Martin Dutzmann auch die Jahreslosung 2026 auf: „Siehe, ich mache alles neu.“ Dieses Wort aus der Offenbarung des Johannes sei ein Trostwort. „Wo Menschen einander beistehen, wo Bildung möglich wird und wo Verwundete nicht übersehen werden, da beginnt Gottes Erneuerung schon jetzt“, betonte er.
Die wiederhergestellte Kirche in Beirut ist ein solches Hoffnungszeichen.
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