
Wenn es die FMEEC nicht gäbe, dann müsste sie erfunden werden. Sie ist für die evangelischen Minderheitsgemeinden eine wichtige Organisation, um zu bilden, zu vernetzen und Hilfe zu organisieren. Das alles, um Kirchengemeinden vor Ort bei ihren Hilfsangeboten und kirchlichen Angeboten zu stärken.
Die Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC) ist ein ökumenisches Netzwerk evangelischer Kirchen im Nahen Osten. Ihre Wurzeln liegen in ökumenischen Initiativen des 20. Jahrhunderts, als evangelische Kirchen angesichts politischer Umbrüche, konfessioneller Vielfalt und wachsender sozialer Not nach enger Zusammenarbeit suchten. Heute vereint die FMEEC 17 Mitgliedskirchen von Nordafrika bis zum Iran. Ihr organisatorischer Schwerpunkt liegt im Libanon – einem Land, in dem evangelische Christinnen und Christen eine kleine, aber engagierte Minderheit bilden.
Aufgaben und Selbstverständnis
Ziel der FMEEC ist es, die Einheit evangelischer Kirchen zu stärken und gemeinsames Zeugnis und gemeinsamen Dienst zu ermöglichen. Grundlage dafür ist die Amman-Erklärung von 2006, die die volle Kirchengemeinschaft zwischen lutherischen und reformierten Kirchen festschreibt – einschließlich der gegenseitigen Anerkennung von Taufe, Abendmahl und kirchlichen Ämtern. Darüber hinaus fördert die FMEEC theologische Bildung, Leitungsschulung sowie die Qualifizierung von Laien und Hauptamtlichen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Bildung, Frauenförderung, Jugendarbeit und psychosozialer Unterstützung.

(in der Mitte – Foto: Haaks)
Wo ist die Not am größten?
Anhaltende Kriege, wirtschaftlicher Kollaps, Vertreibung und politische Instabilität – insbesondere in Syrien und im Libanon – haben tiefe Spuren hinterlassen. Kinder, Jugendliche und Frauen sind überdurchschnittlich von Gewalt, Traumatisierung und Perspektivlosigkeit betroffen. Gleichzeitig fehlen vielerorts qualifizierte Fachkräfte und stabile Unterstützungsstrukturen in den Gemeinden. Genau hier setzt die Arbeit der FMEEC an: gemeindenah, regional vernetzt und auf langfristige Stärkung ausgerichtet.
Die FMEEC arbeitet in verschiedenen Bereichen: Dazu gehören Bildungs- und Fortbildungsprogramme, Jugendleiter:innenausbildung; Psychosoziale Unterstützungsprojekte mit Kindern und Jugendlichen in Krisenkontexten: Förderung von Frauen zu verschiedenen Themen wie Schutz vor Gewalt und die Ausbildung von Frauen zu Multiplikatorinnen. Dazu kam insbesondere nach Ausbruch des Krieges in Syrien die humanitäre Hilfe.
Die FMEEC ist keine klassische Hilfsorganisation wie UNHCR oder Rotes Kreuz, aber sie ist ein wichtiger humanitärer Akteur auf Gemeindeebene. Ihre Stärke liegt darin, lokale kirchliche Strukturen zu stabilisieren, Menschen langfristig zu befähigen und humanitäre Hilfe mit Bildung, Schutz und Friedensarbeit zu verbinden.
Das GAW unterstützt aktuell durch die GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) zwei zentrale Projekte mit jeweils 20.000 €:
2025: Ein Projekt zur Überwindung von Gewalt mit Fokus auf Gendergerechtigkeit. Dabei wird ein siebentägiges Training im Libanon für 40 Frauen aus sechs Ländern der Region durchgeführt. Es verbindet biblisch-theologische Grundlagen mit sozialer, psychologischer und pädagogischer Kompetenz, um geschlechtsspezifischer Gewalt wirksam zu begegnen.
2026: Fortbildung von Jugendleiter:innen. Hier wird ein achttägiger regionaler Workshop für 35 Betreuungspersonen aus Ägypten, Libanon, Jordanien, Syrien, Irak und Kuwait angeboten. Im Fokus stehen Inklusion, Leadership, Pädagogik und psychosoziale Unterstützung sowie der Aufbau nachhaltiger regionaler Netzwerke.
Die FMEEC steht für gelebte ökumenische Solidarität im Nahen Osten. Inmitten von Krisen stärkt sie Gemeinden, befähigt Menschen und setzt Zeichen der Hoffnung – durch Bildung, Schutz der Würde und den Einsatz für Frieden und humanitärer Hilfe.
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