Eingang zur Schule (Foto: Haaks)

Versteckt an einer kleinen Abzweigung der Geraden Straße in der Altstadt von Damaskus befindet sich die Armenisch-Evangelische Schule. Man sieht ihr die Jahre an – vor allem ist eine dringend notwendige Sanierung fällig.

„Die alte Regierung hat nur erlaubt, die gesamte Schule auf einmal zu sanieren. Das hätten wir nie geschafft“, sagt Pfarrer Haroutune Selimian. „Die neue Regierung erlaubt es uns nun, Schritt für Schritt den gesamten Gebäudekomplex zu renovieren.“

Diese Möglichkeit ist entscheidend, damit die 104 Schüler:innen der Elementarschule auch weiterhin eine kirchliche Schule besuchen können. Gerade Schulen in kirchlicher Trägerschaft sind in der syrischen Gesellschaft von großer Bedeutung: Sie tragen zur Erhaltung von Vielfalt bei, stärken Bildung und ermöglichen es den Kirchen, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Rund 50 Prozent der Schüler:innen sind muslimisch, die andere Hälfte stammt aus verschiedenen christlichen Denominationen.

„Der Schultag beginnt immer mit einer gemeinsamen Andacht, an der alle teilnehmen“, so Selimian. „Auch der Religionsunterricht ist Teil des Lehrplans – und die Kinder lieben es!“

Die Armenisch-Evangelische Schule gehört zur armenisch-evangelischen Kirche in Damaskus, die selbst kein eigenes Kirchengebäude besitzt. Für ihre Gottesdienste nutzt sie die Kirche der NESSL mit. Die Schule blickt auf eine über 100-jährige Tradition zurück: Sie wurde 1923 gegründet, in einer Zeit, in der viele Armenier:innen nach dem Völkermord von 1915 in Syrien Zuflucht suchten und dort neue Gemeinden aufbauten. Bildung spielte für die armenisch-evangelische Kirche von Beginn an eine zentrale Rolle, weshalb neben kirchlichen Strukturen auch Schulen gegründet wurden.

„Uns ist es wichtig, als Schule christliche Werte wie Verantwortung und Solidarität zu vermitteln“, sagt Selimian. „Wir wollen, dass sich die Kinder aufgehoben fühlen, dass die Schule für sie ein sicherer Ort ist, der ihnen Schutz und Geborgenheit bietet.“

Im Gespräch betonen Schüler:innen und Lehrerinnen immer wieder, wie wichtig ihnen gerade diese Schule ist. „Auch wenn die Schule erneuert werden muss, ist sie ein schöner Ort. Hier darf ich lernen. Ich liebe meine Lehrerinnen“, sagt stolz ein Mädchen aus der vierten Klasse.

Der seit 2011 andauernde Bürgerkrieg in Syrien stellte die Schule vor große Herausforderungen. Abwanderung, wirtschaftliche Not und eingeschränkte Ressourcen führten zu einem Rückgang der Schülerzahlen. Dennoch besteht die Armenisch-Evangelische Schule in Damaskus bis heute fort. Sie gilt als Symbol für die Standhaftigkeit der christlichen Minderheiten in Syrien und für das anhaltende Engagement der armenisch-evangelischen Kirche im Bereich Bildung und Erziehung.

Das soll so bleiben. „Deshalb wollen wir gemeinsam mit unseren ausländischen Partnern dafür sorgen, dass das Gebäude saniert wird“, sagt Selimian.