Pfarrer Reiner Kalmbach

Argentinien steht immer noch still – wir
berichteten auf diesem Blog bereits aus dem
südamerikanischen Land. Nun erreicht uns ein Rundbrief von Reiner Kalmbach aus
Patagonien. Er ist Pfarrer der südlichsten Gemeinde der Evangelischen Kirche am
La Plata, zuständig für zwei ganze Provinzen, Río Negro und Neuquén. Das ist
Diaspora!

Er berichtet, dass die wirtschaftliche Lage
Argentiniens durch die Corona-Krise und den strengen Lockdown katastrophal
geworden ist. „Wir haben schon viele Krisen erlebt, aber das, was jetzt
geschieht, stellt alles andere in den Schatten.“ Die Tourismus-Branche sei
zusammengebrochen, dabei war das die einzige Industrie Argentiniens, die in den
letzten Jahren einen Boom erlebt hat. In Argentinien herrscht gerade strenger
Winter. In San Martín de Los Andes, wo Pfarrer Kalmbach wohnt, liegt so viel
Schnee wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch die Skitouristen dürfen nicht
kommen. 

Pfarrer Kalmbach berichtet besorgt, dass er bei
der Regierung zunehmend diktatorische Züge beobachtet. Seit März ist das
Parlament nicht mehr zusammengekommen. Der Präsident regiert nur noch per
Dekret, seit März waren es 84 Dekrete. Auch die Polizeiwillkür und -gewalt
haben zugenommen. Vergangenes Wochenende sind die Menschen zu Tausenden auf die
Straße gegangen, um gegen diese Zustände zu demonstrieren.

Wegen der hohen Infektionszahlen herrschen in
Buenos Aires die strengsten Einschränkungen. In den Provinzen darf man immerhin
wieder auf die Straße gehen. Treffen von bis zu 10 Personen sind wieder
erlaubt. Aber man darf die eigene Provinz (so etwas wie ein Bundesland) immer
noch nicht verlassen. Als Pfarrer hat Reiner Kalmbach zwar eine
Sondergenehmigung und kann sich relativ frei bewegen. „Trotzdem bricht mir
der Schweiß aus, wenn ich mich einer Polizeikontrolle nähere“, sagt er.

Die Alleinlebenden und Alten in der Gemeinde
haben es in dieser Zeit besonders schwer. Sämtliche Kontakte laufen über
Whatsapp oder Zoom, aber das kann die persönlichen Begegnungen nicht
ersetzen. 

Die Gemeinde hat ein eigenes Altenheim in der
Stadt Allen. So wie in anderen Ländern, dürfen auch hier zurzeit keine neuen
Bewohner aufgenommen werden. „Acht Betten stehen leer, das ist eine
finanzielle Katastrophe für uns“, schreibt Pfarrer Kalmbach. Und: „Ob
wir das Heim noch lange halten können, ist ungewiss.“ Seit März erhalten die Pfarrer teilweise weniger Gehalt.* Ein Hoffnungszeichen in dieser
schwierigen Zeit ist der Freundeskreis der Gemeinde in Blaubeuren/Württemberg.
Er unterstützt die Gemeinde und das Altenheim schon seit vielen Jahren!

Pfarrer Kalmbach schreibt: „Aber wir haben
unseren Glauben!, er hat in unserem Leben das erste und letzte Wort. Wenn alles
vergeht, wenn alles zerbricht, der Glaube bleibt! Was den „Freundeskreis“ trägt
und hält, ist unser Glaube: ein weiter Bogen spannt sich von einem Kontinent
zum anderen. Gott sei Dank! Herzlichen Dank für die Gebete, die materielle
Hilfe, für die Treue und das Vertrauen in unsere Arbeit.“

*In einer ersten Version des Blogeintrags schrieben wir, dass alle Pfarrer der IERP 30 Prozent weniger Gehalt bekommen. Das ist nach Auskunft der Kirchenleitung jedoch nicht der Fall.