Pastor Raul  Suarez (Mitte)

„Seit 20 Jahren gehöre ich dem
kubanischen Parlament an,“ erzählt Pastor Raul Suarez, Gründer und Präsident
des Martin-Luther-King Zentrums in Havanna. „Ich bin einer von drei
protestantischen Pastoren im Parlament,“ fährt er fort. „Aber ich gehöre nicht
der kommunistischen Partei an.“ Am vergangenen Sonntag wurde Raul Suarez für
weitere fünf Jahre wieder ins Parlament gewählt. Pastor Suarez hat das
Ökumenische Zentrum 1987 mit begründet und ist seit dieser Zeit der Präsident.
Sicherlich helfen ihm bei vielen Themen seine politischen Verbindungen, denn
das Zentrum arbeitet im Wesentlichen in der Gemeinwesenarbeit. Für seinen Sohn
Joel, der das Zentrum derzeit leitet, ist die Arbeit immens wichtig. „Wir stehen
in Kuba vor radikalen Veränderungen. Unsere Aufgabe ist es, aus der Sicht des
Evangeliums Werte zu vermitteln, Orientierung zu geben, damit die Menschen
nicht in falsche Abhängigkeiten geraten.“ Ein bisschen wirkt Joel bei seinem
engagierten Vortrag wie ein alter „kubanischer Revolucionario“. Er schildert
die Gründung des Zentrum, was erreicht wurde und macht sich große Sorgen um die
Zukunft. „Wir stehen in Kuba vor der Herausforderung, dass wie in der gesamten
globalisierten Welt sich alles um Wirtschaftsfragen dreht. Der Mensch muss aber
im Zentrum stehen. Und wir haben als Kirche die Verantwortung, ethische Orientierung
zu geben.“ Und ein wenig resignierend fährt er fort:“ Nur – wollen sie es
hören…? Wie werden die wichtigen Anstöße der kubanischen Gesellschaft in die
Zukunft getragen und an die nächste Generation weitergegeben?“ Und stolz
schließt Pastor Raul Suarez: „Wir können als Kirche uns frei in die
Gesellschaft einbringen. Wir haben eine Trennung von Staat und Kirche. Das
haben wir in den 90er Jahren geschafft. Denn da wurde aus der kubanischen Verfassung
gestrichen, dass wir ein atheistischer Staat sind.

Parallelen gibt es zu
Deutschland. Wie nah kommt man einem totalitären Staat, der auch Kirchen Raum
genommen hat? Wie unterscheidet man sich bei seinen Aktionen und Programmen vom
Staat. Wichtig ist, dass immer deutlich wird, dass man vom Evangelium aus her
sein Handeln begründet und nicht von einer politischen Ideologie sich bestimmen
lässt. – Pfarrer Enno Haaks

„Unidos para servir“ / Vereint zum Handeln“ – Der Kubanische Kirchenrat

Kubanischer Kirchenrat

„Am Ende diesen Jahres werden wir
31 protestantische Mitgliedskirchen haben,“ berichtet der Präsident des
Kubanischen Kirchenrates Pastor Joel Ortega Dopico stolz. „Inzwischen repräsentieren
wir ca. 1 Million protestantische Kubaner,“ fährt er fort. „Sogar die jüdische
Gemeinde ist assoziiertes Mitglied. Und die ca. 4.000 Mitglieder starke
muslimische Gemeinde möchte es der jüdischen Gemeinde gleich tun. Es ist sehr
wichtig, dass die bunte Welt des Protestantismus mit einer Vertretung gegenüber
dem Staat auftreten kann. „Leider gibt es keine gemeinsame Stimme mit der
katholischen Kirche,“ sagt Dopico. „Die katholische Kirche will viele
Zugeständnisse vom Staat haben. Das wollen wir nicht. Wir wollen, dass der
Staat laizistisch ist, den Menschen aber Religionsfreiheit gewährt. Das ist der
Fall! Aus dieser Sicht ist in Kuba viel geschehen,“ fährt Dopico fort.
Wesentliche Errungenschaften des Rates sind das Streichen des Wortes
„atheistisch“ aus der kubanischen Verfassung. Desweiteren werden in vier
Arbeitsbereichen 17 verschiedene Programme im gesamten Land angeboten. Dabei
geht es um Fragen der religiösen Bildung, um den Umgang mit Behinderung, Genderfragen
etc.

Was den Rat in jüngster
Vergangenheit bewegt hat war die notwendige Verschiebung der
CLAI-Vollversammlung, die jetzt in Havanna stattfinden sollte. Durch die
Blockadepolitik der USA wurden notwendige Gelder eingefroren. Auch in diesen
Fragen ist Dopico aktiv. Selbst ist er presbyterianischer Pastor in Varadero,
dem Touristenbadeort auf Kuba.

Zum Rat gehört auch die
Kubanische Bibelgesellschaft, die u.a. von Deutschland mit unterstützt wird.
Jetzt hat man sich im Rat vorgenommen, eine Million Bibeln in Kuba zu verteilen.
Ambitioniert, aber mit einer wichtigen Ausstrahlung für die Gesellschaft. –
Pfarrer Enno Haaks