Das Dorf Alma al-Shaab im Süden des Libanon liegt rund 110 Kilometer von Beirut entfernt, nahe der Grenze zu Israel. In dem traditionsreichen Ort, der einst etwa 750 Einwohner hatte, leben seit Jahrhunderten überwiegend Christen. Alma al-Shaab ist bekannt für seine Olivenhaine, seine alten Steinhäuser und seine ruhige Atmosphäre. Über Generationen hinweg haben Familien hier gelebt, gearbeitet. Es ist ihre Heimat.

Diese ist allerdings in Gefahr. Das Dorf weitgehend verlassen. Der Krieg im Süden des Libanon hat viele Bewohner wiederholt zur Flucht gezwungen. Zahlreiche Familien leben derzeit verstreut im Land – bei Verwandten, in Notunterkünften oder in Städten wie Beirut, Sidon oder Tyros. Israel führt derzeit Militäroperationen im Süden des Libanon durch. Ziel ist es, die Hisbollah von der Grenze zu verdrängen und eine mehrere Kilometer tiefe militärische Pufferzone einzurichten. Wie lange diese bestehen wird, ist ungewiss. Ebenso unklar bleibt, wann und ob die Menschen in ihre Häuser zurückkehren können. Wir Israel dauerhaft sich dort festsetzen?
In einem Interview beschreibt der Bürgermeister von Alma al-Shaab, Elias Al-Arab, die Situation seiner Gemeinde. Er gehört zur evangelischen Gemeinde der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). Er spricht von einem „wunderschönen Ort mit friedlichen Menschen“, deren Leben eng mit dem Land und der Olivenproduktion verbunden ist. Doch der Krieg hat auch sein eigenes Leben geprägt: Sein Haus wurde mehrfach zerstört.
Konflikte sind für die Menschen von Alma al-Shaab nichts Neues. Mehrfach wurde das Dorf in den vergangenen Jahrzehnten in militärische Auseinandersetzungen hineingezogen. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir Krieg erleben“, erklärt Al-Arab. „Drei- oder viermal mussten wir wieder von vorne anfangen.“ Immer wieder bauten die Bewohner ihre Häuser neu auf, bestellten ihre Felder und versuchten, ein normales Leben zu führen.
Doch diesmal sei die Situation besonders schwer. Die Gewalt habe ein Ausmaß erreicht, das eine vollständige Evakuierung notwendig machte. Mindestens ein Dorfbewohner wurde getötet. Bereits 2024 mussten viele Bewohner fliehen. „Dieses Mal ist kein Mensch zurückgeblieben“, sagt der Bürgermeister.

Das Schicksal von Alma al-Shaab steht stellvertretend für viele Orte im Süden des Libanon. Seit Jahrzehnten leiden die Menschen dort unter wiederkehrenden Konflikten. Gemeinden werden immer wieder entwurzelt, Familien verlieren Häuser, Arbeit und Sicherheit.
Elias will die Hoffnung nicht aufgeben: „Wir werden auf jeden Fall zurückkehren.“ Wann das möglich sein wird, wisse niemand. „Gott weiß wann.“
Ende Januar besuchten der GAW-Präsident Dr. Martin Dutzmann und Generalsekretär Enno Haaks Alma Al-Shaab, feierten in der evangelischen Kirche einen Gottesdienst, sprachen mit Elias und Gemeindemitgliedern und sahen sich die Zerstörungen an. Damals waren 40% der Häuser zertsört oder schwer beschädigt. Das Pfarrhaus der evangelischen Gemeinde musste nach Angriffen saniert werden. Das GAW half dabei.
In Gedanken und mit unseren Gebeten sind wir bei den Glaubensgeschwistern im Libanon. Das GAW unterstützt aktuell den Aufruf der evangelischen Kirche (NESSL), bei der Versorgung der Geflüchteten zu helfen.
Spendenkonto:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
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