
Gottesdienst in Damaskus (Foto: GAW)
Am 1. März feiern evangelische Gemeinden in Deutschland den Sonntag Reminiszere. Der Name geht zurück auf Psalm 25: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit.“ Es ist der Gebetstag für bedrängte und verfolgte Christinnen und Christen – in diesem Jahr mit besonderem Blick auf Syrien.
Seit 2011 ist das Land von Krieg, Flucht, wirtschaftlichem Zusammenbruch und politischer Unsicherheit gezeichnet. Vor Beginn des Krieges bekannten sich rund zehn Prozent der Bevölkerung zum christlichen Glauben, heute sind es nur noch ein bis zwei Prozent. Viele Gemeinden sind kleiner, ärmer und verletzlicher geworden.
Die Lage bleibt widersprüchlich: Gottesdienste finden statt, kirchliches Leben existiert. Und doch berichten unsere Partnerkirchen von einem Klima permanenter Unsicherheit – von Abwanderung, wirtschaftlicher Not und der Sorge, zwischen politische und militärische Fronten zu geraten, etwa bei den Kämpfen in Aleppo oder im kurdisch geprägten Nordosten.
Der evangelisch-armenische Pastor Haroutune Selimian aus Aleppo beschreibt es so:
„The situation in Syria remains delicate, yet we continue our ministry with steadiness and hope.“
Bedrängnis zeigt sich nicht nur in offener Gewalt. Sie zeigt sich im Alltag: Menschen hungern, Infrastruktur ist zerstört, Energie- und Lebensmittelpreise sind hoch, die Einkommen reichen kaum zum Leben. Besonders Minderheiten fragen sich: Haben wir Raum in einem zukünftigen Syrien – unabhängig von Religion oder Herkunft?
Das GAW ist mit zwei evangelischen Partnerkirchen verbunden: der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL) und der Union der Evangelischen Armenischen Kirche. Engagierte Pastoren – und auch eine Pastorin in Hassakeh – machen deutlich: Wir Christinnen und Christen gehören zu Syrien. Das Land ist Wiege des Christentums; hier wurde Paulus bekehrt und getauft.
Die Kirchen setzen dabei auf Dialog, gesellschaftliche Mitverantwortung und vor allem auf Bildung. Gerade die evangelischen Schulen sind Orte der Stabilität in instabilen Zeiten. Ein wichtiges GAW-Projekt ist in diesem Jahr die Konfirmandengabe „Schulessen in der Bethelgemeinde in Aleppo“: Hundert Kinder erhalten täglich eine verlässliche Mahlzeit. Für viele ist die Schule der einzige Ort von Sicherheit und Hoffnung (Mehr dazu: https://www.gustav-adolf-werk.de/konfigabe.html)

Kirchliche Solidarität braucht Differenzierung. Nicht vorschnelle Urteile helfen weiter, sondern das genaue Hinhören auf die Partner vor Ort. Was brauchen sie? Gebet. Politische Fürsprache. Finanzielle Unterstützung. Meist alles davon – klug und langfristig gedacht.
Der Gebetstag für „Bedrängte und verfolgte Christen“ der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erinnert uns daran: Wir sind weltweit verbunden. Und wir sind gerufen, Glaubensgeschwistern in bedrängenden Situationen – wie in Syrien – durch Gebet und konkrete Solidarität zur Seite zu stehen.
Spendenkonto:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
IBAN: DE42 3506 0190 0000 4499 11
BIC: GENODED1DKD (KD-Bank)
Stichwort: Syrien
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