
Alma Al-Chaab liegt nur ca. 500 Meter von der israelischen Grenze entfernt. Es ist ein rein christliches Dorf im Süden des Libanon. Von israelischer Seite wurde inzwischen eine Mauer gebaut und die Grenze massiv befestigt. Vom Dach des Pfarrhauses der evangelischen Kirchengemeinde der NESSL (National Evangelical Synod of Syria and Lebanon) ist das gut zu sehen. Auch Drohnen hört man immer mal wieder in der Luft. Der Nachbarort Naqura, ein rein schiitischer Dorf, wurde weitgehend zerstört, weil das israelische Militär hier vermehrt Hisbollahkämpfer vemutete als im Oktober 2023 die Kämpfe und Zerstörungen losgingen. Die Bilder aus dem Süden des Libanon sind erschütternd. Zerstörte Häuser, beschädigte Kirchen, verwüstete Infrastruktur – und mittendrin Alma Al-Chaab. Seit gut einem Jahr leben von den ehemals 750 Einwohnern wieder 150 Menschen im Ort und versuchen, ihr Leben wieder aufzubauen – und wenn es geht, die Häuser wieder zu errichten. Das ist für viele nicht mehr drin. Zu schlimm sind die Zesrtörungen.
Alma Al-Chaab war während des Krieges vollständig evakuiert. Rund 30–40 % der Gebäude des 750-Einwohner-Ortes wurden zerstört. Das israelische Militär hatte das Dorf zeitweise besetzt, da Hisbollah-Kämpfer vermutet wurden. Die Zerstörungen sind massiv: Häuser liegen in Trümmern, Ackerland und Wälder wurden vernichtet. Auch die maronitische und die melkitische Kirche sind zerstört. Die evangelische Kirche blieb stehen – doch das angrenzende Pfarrhaus wurde schwer beschädigt. Das Dach ist noch nicht saniert, an ein Wohnen ist so noch nicht zu denken.
Der Pfarrer lebt derzeit in Sidon, rund 1 Stunde und 20 Minuten Autofahrt entfernt. Der Weg in den Süden führt an mehreren militärischen Posten vorbei, Reisewarnungen erschweren Besuche zusätzlich. Viele Gemeindemitglieder sind bislang nicht zurückgekehrt. Beim Gang durch das Dorf zeigen sich all die Ruinen. Die Bewohner vor Ort zeigen die Ruinen ihrer Häuser. Sie erzählen von Verlusten, Traumata und der großen Frage: Wer soll den Wiederaufbau finanzieren?
Und doch ist da Hoffnung. Dafür steht die erhaltene evangelische Kirche. Im Sonntagsgottesdient stärkt Hilfsprediger George die Menschen und versucht ihnen Mut zuzusprechen: „Wir haben den Krieg erlebt, aber wir haben auch Gottes Hand erlebt, die uns gerettet hat.“
Der Bürgermeister des Dorfes versucht, die Menschen zur Rückkehr zu ermutigen – nur wie, ohne Sicherheit, ohne finanzielle Mittel, ohne Perspektive?
Die NESSL hält dennoch fest an ihrer Verantwortung. Sie will die Gemeinde in Alma Al-Chaab stärken, gerade weil es im Süden noch drei weitere Dörfer mit evangelischen Christinnen und Christen gibt. Kirche bedeutet hier mehr als ein Gebäude: Sie ist Ort der Hoffnung, des Zusammenhalts und der Ermutigung.
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