
„Martin – du musst morgen predigen“, sagte Pfarrer Haroutune Selimian von der evangelisch-armenischen Kirche zum GAW-Präsidenten Dr. Martin Dutzmann. „Wir feiern morgen Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl. Wir möchten von dir tröstende und ermutigende Worte hören.“
Einmal im Monat, jeweils an einem Mittwoch, ist Pfarrer Selimian in Damaskus und trifft dort die Gemeindemitglieder. Dies war der Anlass für seine Bitte. Etwa 40 bis 50 Menschen aus der rund 150 Mitglieder zählenden Gemeinde kommen dann zum Gottesdienst zusammen. Gefeiert wird in der evangelischen Kirche der National Evangelical Synod in Syria and Lebanon (NESSL). Beide Gemeinden teilen sich den Kirchraum, der in der historischen Altstadt von Damaskus liegt. Das Gemeindeleben ist stark eingeschränkt, doch Ehrenamtliche halten die evangelisch-armenischen Christinnen und Christen zusammen.
Die evangelisch-armenische Gemeinde in Damaskus war schon immer klein und hat keinen eigenen Pastor. In den Anfangsjahren, als sich viele Armenier nach dem Genozid in Syrien ansiedelten, umfasste sie einige Hundert Mitglieder. Vor dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs lebten in Damaskus insgesamt mehrere Tausend Armenier, von denen jedoch nur ein geringer Teil evangelisch war. Heute ist die Gemeinde durch Krieg, Flucht und Auswanderung stark geschrumpft.
Wie andere christliche Minderheiten leidet sie unter wirtschaftlicher Not, Unsicherheit und dem Verlust vieler Mitglieder. Umso wichtiger war es Pfarrer Selimian, dass der GAW-Präsident die Predigt hielt – um Mut zu machen und zu zeigen, dass die Gemeinde und ihre Mitglieder nicht vergessen sind.
Dr. Dutzmann predigte über die Jahreslosung 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5). Er betonte, dass dieses Wort allen gilt. Gott sieht das Leid, die Tränen und die Zerstörung. Er hat die Menschen nicht vergessen, die unter Gewalt, Verlust und Angst leiden. Gott selbst verspricht, da zu sein. Nicht Menschen, nicht Mächtige und nicht Unterdrücker haben das letzte Wort – Gott allein macht alles neu.
Die Bibel sagt: Gott wird jede Träne abwischen. Es wird nicht für immer Leid geben, nicht für immer Weinen, nicht für immer den Tod. Wo Menschen einander helfen, wo Tränen getrocknet werden, wo Leben geschützt und Hoffnung bewahrt wird, da ist Gott gegenwärtig und handelt. Dieses Versprechen gilt heute. Es gilt in jeder denkbaren Dunkelheit. Es gilt für Syrien. Und es gilt für jeden einzelnen Tag eures Lebens: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“

Es war ein bewegender Gottesdienst. Anschließend traf man sich im Gemeindesaal. Dort erhielten Gemeindemitglieder, die es dringend benötigten, eine kleine finanzielle Unterstützung. „Allein das hilft in der aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Lage in Syrien“, so Selimian. „Diese Hilfe können wir jedoch nur leisten, weil wir Partner im Ausland haben, die uns immer wieder unterstützen. Das macht den Menschen Mut und gibt ihnen Hoffnung auf eine Zukunft in Syrien. Genau darauf hoffen wir: dass es in Syrien neu wird – so, wie es im Bibelwort aus der Offenbarung verheißen ist.“
Kommentare