Winterhilfe im Libanon (Foto:) GAW

Nach Jahren politischer Blockade, wirtschaftlichem Kollaps und wiederholter Gewalt ist der Libanon erschöpft. Die politische Lage im von tiefen Herausforderungen: Staatspräsident Joseph Aoun und Premier Nawaf Salam führen seit 2025 eine neue Regierung nach langem Stillstand, mit Fokus auf Wirtschaftsreformen und Entwurf eines Gesetzes zur Bewältigung der Finanzkrise zur Zusammenarbeit mit dem IWF. Der Staat beansprucht erstmals seit Jahrzehnten Kontrolle südlich des Litani und will parlamentarische Wahlen im Mai 2026 planmäßig durchführen. Ob das gelingt. Politisch bleibt die Umsetzung von Reformen schwer, und die Wirtschaftskrise sowie Sicherheitsfragen, etwa die Rolle von Hisbollah und Grenzkonflikte mit Israel, belasten die Stabilität.

Millionen Menschen haben keinen Zugang zu ihren Ersparnissen, Preise explodieren, viele sehen ihre Zukunft nur noch im Ausland. Hinzu kommen rund 1,5 Millionen syrische und 250.000 palästinensische Flüchtlinge, deren Perspektiven ungewiss sind.

Mitten in dieser fragilen Situation stehen die protestantischen Kirchen des Landes und halten an ihrem Auftrag fest: dienen, verbinden und Hoffnung bewahren.

Gerade hier zeigen die protestantischen Kirchen ihre Stärke. Die National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL) und die armenische protestantische Gemeinschaft verstehen Glauben als gelebte Verantwortung. Während der Kämpfe öffneten sie Notunterkünfte, versorgten Familien mit Lebensmitteln und begleiteten traumatisierte Kinder. Heute engagieren sie sich im Wiederaufbau, besonders im Süden des Landes.

Ein Herzstück ihrer Arbeit ist Bildung. Sieben Schulen der NESSL mit über 8.000 Schülerinnen und Schülern sowie armenische protestantische Bildungs- und Sozialzentren stehen Kindern unabhängig von Religion oder Herkunft offen. Trotz finanzieller Not, sinkender Lehrergehälter und fehlender staatlicher Unterstützung halten sie an diesem Auftrag fest – dank internationaler Solidarität und Partnerschaften.

„Wir lassen uns von den schwierigen Umständen nicht entmutigen, denn unsere Hoffnung gründet auf Gott“, sagt Pfr. Joseph Kassab von der NESSL. Dieser Glaube verbindet Gemeinden über konfessionelle Grenzen hinweg. Er trägt eine Vision von einem Libanon, in dem Menschen in Würde leben können.