Rani Saoud (2. von links; Foto: Haaks)

„Unsere Gemeinde in Minyara ist die größte Gemeinde der NESSL National Evangelical Synod of Syria and Lebanon)“, erzählt Rani Saoud, Gemeindeältester und Direktor des Tageszentrums für syrische geflüchtete Kinder im Norden des Libanon. Viele der Mädchen und Jungen kommen aus umliegenden Flüchtlingscamps. Sie leben oft in Zelten und müssen den Weg zum Zentrum allein bewältigen. „Wenn es geregnet hat, ist es besonders schlimm. Die Kinder kommen durchnässt und schmutzig an“, berichtet Rani. Die Eltern können sie meist nicht begleiten: Sie verlassen früh morgens die Camps, um Gelegenheitsarbeit zu finden, und kehren erst spät abends zurück. Unter diesen Bedingungen bleibt kaum Kraft, die Kinder schulisch zu unterstützen. Zudem fehlt den Eltern selbst oft Bildung. Etliche sind Analphabeten.

Im Bildungszentrum werden derzeit rund 50 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren betreut. Viele von ihnen haben keinen Zugang zu öffentlichen Schulen im Libanon: Es fehlen offizielle Papiere oder die Kinder sind nach Jahren ohne Unterricht nicht in der Lage, dem Schulalltag zu folgen. Hinzu kommt ein marodes staatliches Bildungssystem, das selbst eingeschriebenen Kindern nur geringe Zukunftschancen bietet. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig das öffentliche Schulsystem ist“, sagt Rani. „Gerade deshalb wollte ich etwas für diese Kinder tun, damit sie nicht verloren gehen.“ ZUdem: 90% der Schulen sind in der Hand privater Träger. Hier muss Schulgeld bezahlt werden. Für Geflüchtete, die alles verloren haben, ist das unmöglich.

(Foto: Haaks)

Die Anfänge des Bildungszentrums in Minyara waren bescheiden. Bereits 2015 begann die evangelische Gemeinde, Flüchtlingskinder in improvisierten Lernräumen zu unterrichten – zunächst in einer Garage. Seit 2020 kann ein eigenes Gebäude gemietet werden. Heute wird das Zentrum von der Compassion Protestant Society (CPS) getragen, die zwei weitere Bildungszentren dieser Art betreibt.

Das Zentrum ist für viele Kinder ein unverzichtbarer Schutz- und Lernort. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen gehören kreative Angebote, Spiel und gemeinsames Lernen zum Alltag. Ziel ist es, die Kinder behutsam auf einen möglichen Wiedereinstieg in das formale Bildungssystem vorzubereiten.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der psychosozialen Begleitung. Viele Kinder haben Flucht, Gewalt oder Verlust erlebt. Verlässliche Tagesstrukturen, feste Bezugspersonen und gemeinschaftliche Aktivitäten schaffen einen Raum der Geborgenheit. Gleichzeitig entlastet das Zentrum die Eltern und bietet den Kindern Schutz im oft prekären Alltag.

Das Bildungszentrum in Minyara steht allen Kindern offen – unabhängig von Herkunft oder Religion. Für die evangelische Kirche der NESSL ist es ein lebendiges Zeichen gelebter Solidarität aus dem christlichen Glauben heraus. Hier wachsen Hoffnung, Würde und neue Zukunftsperspektiven – mitten in einer Region, die von Krisen geprägt ist.